Der Satellit hinter dem Bild: MTG-I1 (Meteosat-12)
Die Wolkenbilder auf dieser Seite stammen von MTG-I1, dem ersten Satelliten der dritten Meteosat-Generation (Meteosat Third Generation). Seit dem 4. Dezember 2024 ist er im Regelbetrieb und heisst seither Meteosat-12. Am 16. Juni 2025 hat er Meteosat-10 als Hauptsatellit über Europa und Afrika abgelöst.
Start und Umlaufbahn
Am 13. Dezember 2022 um 20:30 UTC startete MTG-I1 mit einer Ariane 5 (Flug VA259) vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana, zusammen mit zwei Kommunikationssatelliten von Intelsat. Heute steht er geostationär in 35 786 km Höhe über dem Golf von Guinea, Sollposition 0° Länge. Von dort sieht er immer denselben Ausschnitt der Erde. Das erste Bild nahm er am 18. März 2023 auf.
Bau, Gewicht, Kosten
Hauptauftragnehmer ist Thales Alenia Space; die Firma baute die Kamera FCI und setzte den Satelliten zusammen. Von OHB stammt die Plattform, von Leonardo die Blitzkamera. Betankt wog MTG-I1 beim Start rund 3.8 Tonnen, davon fast 2 Tonnen Treibstoff. In Startlage misst er 2.3 × 2.8 × 5.2 m, die Solarzellen liefern 2 kW.
2011 genehmigte EUMETSAT seinen Anteil am MTG-Programm mit sechs Satelliten: rund 2.37 Milliarden Euro (Preise 2008). Der Industrievertrag zwischen ESA und Thales Alenia Space von 2012 hatte einen Wert von über 1.25 Milliarden Euro. Kosten für einen einzelnen Satelliten nennen weder ESA noch EUMETSAT.
Die Kameras
Das Hauptinstrument ist der Flexible Combined Imager (FCI). Er nimmt in 16 Kanälen von 0.44 bis 13.3 µm auf und tastet die ganze Erdscheibe alle 10 Minuten ab. Die normale Auflösung beträgt 1 km im sichtbaren und 2 km im infraroten Bereich, jeweils direkt unter dem Satelliten. Vier Kanäle gibt es zusätzlich hochaufgelöst: sichtbar 0.6 µm und nahes Infrarot 2.2 µm mit 500 m, Infrarot 3.8 µm und 10.5 µm mit 1 km.
Neu ist der Lightning Imager (LI), Europas erster Blitzsensor auf einer geostationären Umlaufbahn. Vier Kameras mit je 1000 Bildern pro Sekunde erkennen Blitze bei Tag und Nacht, auch solche innerhalb der Wolken. Sie decken rund 84 % der Erdscheibe ab.
Wozu das dient
EUMETSAT nennt als Hauptnutzen die Kurzfristvorhersage (Nowcasting) und Unwetterwarnungen: Gewitter lassen sich früher erkennen, dazu Nebel, Vulkanasche, Waldbrände und Hochwasserlagen. Zusätzliche Kanäle zeigen dünne Zirren, Wolkentröpfchen und Echtfarbenbilder.
Betriebsdauer und Nachfolger
Ausgelegt ist MTG-I1 auf mindestens 8.5 Jahre; der Treibstoff reicht für mehr als 10.7 Jahre. Insgesamt umfasst das Programm vier Bild- und zwei Sondierungssatelliten bis in die 2040er-Jahre. MTG-S1 startete am 1. Juli 2025, MTG-I2 am 27. August 2026. Nach seiner Inbetriebnahme soll MTG-I2 Europa alle 2.5 Minuten abtasten, voraussichtlich ab 2027.
Was diese Seite zeigt
Gezeigt werden die hochaufgelösten Kanäle des FCI: tagsüber das sichtbare Licht bei 0.6 µm (500 m), nachts die Wärmestrahlung bei 10.5 µm (1 km), in der Dämmerung überblendet. Tiefe Wolken sind nachts fast so warm wie der Boden. Sie fallen erst im Vergleich mit dem Kanal bei 3.8 µm auf, darum nutzt die Nachtansicht beide Kanäle.
Umgerechnet ist das Bild auf dieselbe Kartenprojektion wie das Regenradar (Schweizer Landeskoordinaten LV95). Die Lage am Boden ist an Seen und Alpentälern geprüft. Wolken selbst erscheinen leicht verschoben: Der Satellit sieht die Schweiz schräg aus etwa 55° Zenitwinkel, darum liegt eine Wolke auf der Karte pro Kilometer Höhe rund 1.4 km zu weit nordnordöstlich. Bei Zirren in 10 km Höhe sind das etwa 14 km. Tagsüber erscheinen verschneite Gipfel wie Wolken, nachts können sehr kalte Gipfel einen leichten Schleier zeigen.
Quellen: EUMETSAT, Betriebsaufnahme · EUMETSAT, Hauptdienst · Arianespace, Start · ESA, Faktenblatt · EUMETSAT, Instrumente · WMO OSCAR · EUMETSAT, Programmkosten · EUMETSAT, Meteosat-Serie.